Jubiläumsprogramm "100 Jahre Tonfilm"

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Tonfilmes, veranstaltet die Stadt Rehau in Zusammenarbeit mit der Firma REHAU ein kleines Programm zu Ehren des Erfinders Dr. Hans Vogt.

Der Start des Programms ist im Rahmen der Rehauer Kulturnacht am 03.09.2022. Ab 18.00 Uhr wird im Festsaal des Alten Rathauses der Film von Antje Starost und Helmut Grotjahn „Wurlitzer – Die Erfindung der Gegenwart“ gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Weiter geht es in der darauffolgenden Woche, am 11.09.2022. Horst Graf führt durch die Mechanische Werkstatt am Angergässchen, in der sowohl Hans Vogt als auch er selbst seine Lehre absolviert haben. Von 14 bis 17 Uhr finden Führungen in regelmäßigen Abständen statt. 

Am 17.09.2022 ist ein ganz besonderer Tag. Genau vor 100 Jahren hatte der Tonfilm seinen Durchbruch. Zu diesem Anlass veranstaltet die Firma REHAU einen Jubiläumsabend im REHAU Art. Dort kann die Ausstellung „100 Jahre Tonfilm“ von Antje Starost und Helmut Grotjahn betrachtet werden. Des Weiteren gibt es eine Filmvorführung dem Thema entsprechend. Der Jubiläumsabend beginnt um 18.00 Uhr. Alle Interessierten sind bei Snacks und Getränken recht herzlich zum gemeinsamen Austausch eingeladen.

Auch ein Rehauer Stadtspaziergang darf in dem bunten Programm natürlich nicht fehlen. Bürgermeister Abraham führt am 25.09.2022 Interessierte durch das Museum und weitere Stätten in Zusammenhang mit Hans Vogt. Letzte Station ist dann die Ausstellung im REHAU ART. Los geht es um 14 Uhr am Alten Rathaus.

Abschließend wird im Rahmen der Hofer Filmtage wieder der Hans-Vogt-Filmpreis verliehen. Im Rahmen des Kinoabends der Hochfranken Initiative am 26.10.2022, verleiht die Stadt Rehau an Filmschaffende, die innovativ und sorgfältig um den Ausdruck und die Qualität ihres Filmtones besorgt sind, den Hans-Vogt-Filmpreis.

Geschichtlicher Hintergrund:

100 Jahre Tonfilmgeschichte in Rehau oder wie der Film zum Ton kam

Mit der Entwicklung der Fotografie, wuchs auch der Wunsch nach bewegten Bildern. In der zweiten Hälfte des 19. Jhd. wurden verschiedene Verfahren mit mehr oder weniger Erfolg ausprobiert. Der eigentliche Durchbruch gelang aber erst mit der Entwicklung des sogenannten 35 mm Films um 1895, der noch heute unter der Bezeichnung „Kinofilm“ bekannt und noch erhältlich ist. So mancher Spezialist verwendet ihn trotz allem digitalen Fortschritt eben immer noch.

So weit so gut, aber die Filme waren und blieben erst einmal noch Stummfilme, eine zum Bild parallellaufende Tonsynchronisation war eben noch nicht möglich. Und an dem Punkt setzt die Erfindung von Dr. h. c. Vogt aus Wurlitz ein, der am 25. September 1890 als Sohn eines Schmiedemeisters das Licht der Welt erblickte. Hinein geboren in eine Dorfgemeinschaft vor 130 Jahren, hieß das, er wird auch ein Schmied wie sein Vater. Hans Vogt war ein neugieriger Junge, den alles interessierte bis hin zum Morseapparat im neu eröffneten Wurlitzer Bahnhof. Gleichzeitig war Hans Vogt sehr musisch interessiert, spielte er doch mehrere Instrumente. Aber den Eltern fehlte einfach das Geld für einen höheren Schulbesuch, aber der Junge hatte das Glück, er musste nicht den Beruf des Vaters ergreifen, er trat als Lehrling in die Schlosserei von Christian Gelius in Rehau ein. Ein Betrieb, der übrigens im damaligen original Zustand als technisches Museum noch heute dem Rehauer Museum angeschlossen ist, aber das ist eine Geschichte für sich. Wie gesagt, es scheint nichts gegeben zu haben, für das sich der junge Vogt nicht interessiert hätte.

Mit der Kinematografie, wie man damals sagte, kam er erstmals 1905 anlässlich des Rehauer Schützenfestes in Berührung. Klar, dass die Faszination geweckt war. Folglich gestaltete sich sein weiterer Lebensweg recht bunt. Er erfand unter anderem einen elektronischen Kameraverschluss, dessen späte Blütezeit erst in die 1970er Jahre fiel. Hans Vogt merkte, die Feinmechanik lag ihm. Nicht nur für ihn, sondern wohl für die ganze Filmtechnikbranche war sein Einsatz im ersten Weltkrieg bei der Radiotelegrafie der kaiserlichen Marine von Bedeutung.

Er avancierte zum Hochfrequenztechniker im Laboratorium des Dr. Seibt in Berlin. 1919 tat er sich mit Joseph Massalle und Joseph Engl zusammen um das „Tri-ergon“ zu gründen. Die drei konnten als Sponsor den großen C. Lorenz-Elektrokonzern gewinnen. Die Arbeit gelingt am 17. September 1922, also vor 100 Jahren findet die Uraufführung des ersten im Lichttonverfahren gedrehten Filmes im Berliner Lichtspielpalast „Alhambra“ statt. Nicht nur in Deutschland, ja in Europa verkannte die Wirtschaft, wie so oft die Bedeutung dieser Epoche machenden Erfindung, man hielt krampfhaft am alten fest. Die von „Tri-ergon“ gehaltenen Patente gingen fast für ein Trinkgeld an die „Tobias-Film" in den USA.

Aber kurzgefasst, er lässt sich nicht unterkriegen, er bleibt ein Erfinder sein Leben lang, von Wirtschaft und Wissenschaft hoch geehrt. All seine Erfindungen kann man nicht einzeln aufzählen, es dürften an die 150 gewesen sein. 1923 erhielt er in Wurlitz, seinem Geburtsort, die Ehrenbürgerwürde.1948 konnte die „Hans-Vogt-Bühne“ in Rehau zu seinem 60. Geburtstag als damals modernstes Lichtspieltheater Oberfrankens eingeweiht werden. Inzwischen ist es einem Kindergarten Neubau gewichen. An Filmgrößen wird seit 2012 der Filmpreis im Rahmen der Hofer Filmtage verliehen. Somit ist dieser große Erfinder, ohne den es eigentlich keinen Tonfilm gäbe in Rehau noch immer präsent. Zumal man ihm auch in Wurlitz, heute einem eingemeindeten Ortsteil von Rehau, ein Denkmal gesetzt hat. Aber auch ein Filmdenkmal hat er sich selbst gesetzt, existiert doch im Rehauer Museum nicht nur eine Abteilung extra für Dr. h. c. Hans Vogt, sondern auch eine digitalisierte Kopie seines ersten Tonfilms mit dem Titel: „Das Leben auf dem Dorfe“, eine wohl einmalige Rarität, die in ihrem Urzustand die vergangenen 100 Jahre unerkannt überdauert hat.

Ein Bericht von Dietrich Metzner

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