Außergewöhnliches Konzert zum Abschluss des Rehauer Kulturherbstes 2019

Im vollbesetzen Festsaal des Alten Rathauses begrüßte Bürgermeister Michael Abraham die Zuhörer zum letzten Konzert im Rahmen des Rehauer Kulturherbstes 2019. Und es war wahrlich ein Höhepunkt romantischer Liedkunst, welches die Zuschauer von Professor Wolfgang Döberlein am Klavier und Tenor Jan Kobow hören konnten. 

Denn die 24 Seelenzustände, die von Wilhelm Müller gedichtet wurden und 1827 von Franz Schubert vertont wurden bilden den Höhepunkt in Schuberts Liedschaffen. Die „Winterreise“ erschien als Gedichtsammlung in einer Zeitschrift, die im österreichischen Polizei- und Überwachungsstaat der Schubert-Zeit verboten wurde. Schubert liest die Gedichte trotzdem und schreibt 1827 die Musik dazu. 

„Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus“, Worte und Töne, die immer wieder ihre Aktualität finden. Wer der Winterreisende eigentlich ist und wohin ihn seine Reisewege führen, bleiben unbestimmt. Man kreist in den Seelenzuständen Liebe, Schmerz, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Entfremdung, man wird Begleiter extremer, unnachgiebiger Gefühlskontraste. Denn grenzenlos subjektiv besingt der Winterreisende sein Schicksal. Viele Zuhörer können dies nachempfinden, denn man muss sich dem Leben und dem Schicksal stellen. Man sagt: „In dieser Herausforderung besteht die eigentliche Mission der Winterreise und der innere Grund dafür, warum dieses Stück so außerordentlich populär ist, warum es die Menschen so angeht, warum es sie so betrifft, und warum beispielsweise gleich nach Ende des zweiten Weltkrieges die Leute scharenweise in die Winterreise gepilgert sind“. 

Bis heute gehört Schuberts „Winterreise“ neben dem Zyklus „Die schöne Müllerin“ zu den meistaufgeführten und aufgenommenen Liederzyklen. Die Interpreten sind frei in ihren Entscheidungen. Immer wieder wird die „Winterreise“ auch verziert, bearbeitet, dramatisiert oder modernisiert. Einzelne Lieder verselbstständigen sich wie „Am Brunnen vor dem Tore“ wird zum Inbegriff von Heimatgefühl und romantischen Männergesang. „Der Leiermann“ wird oft als Stellvertreter des Todes verstanden. Professor Wolfgang Döberlein und Tenor Jan Kobow zeigten den Zuhörern ihre Sicht auf Wort und Ton und boten ein außergewöhnliches Konzert zum Schluss des Rehauer Kulturherbstes.

Text und Bild: Uwe von Dorn