Eugen Gomringer feiert 95. Geburtstag

Ein besonderer Geburtstag, ein besonderer Festakt und ein besonderes Geburtstagsgeschenk. Die Feierlichkeiten zum 95. Geburtstag von Professor Eugen Gomringer waren in der Tat besonders und brachten ihm die verdiente Wertschätzung entgegen.

Professor Eugen Gomringer feierte am 20. Januar diesen Jahres seinen 95. Geburtstag. Zum Festakt im Kunsthaus kamen zahlreiche Gäste. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie auch Freunde und langjährige Wegbegleiter gratulierten dem Erfinder der konkreten Poesie persönlich. Mit Geduld und Würde nahm der Jubilar die vielen Glückwünsche entgegen, denn es waren über 80 Gäste gekommen, um mit ihm diesen Ehrentag zu feiern.

Die Stadt Rehau hatte zum 95. Geburtstag ein besonderes Geschenk vorbereitet, welches die besondere Wertschätzung seitens der Stadt für Professor Eugen Gomringer zum Ausdruck bringen soll. Ein in seiner Art sehr seltenes Geschenk, das den Namen Eugen Gomringer ein bleibendes Denkmal in der Stadt Rehau geben und das Kunsthaus Rehau mit seinem Namen untrennbar verschmelzen wird. Der 1. Bürgermeister Michael Abraham überreichte dem Professor das Straßenschild für den neu gewidmeten Eugen-Gomringer-Platz um das Kunsthaus. Das Kunsthaus selbst steht nun am Eugen-Gomringer-Platz 1.

Als Sohn eines Schweizer Kaufmanns und einer Bolivianerin wird Eugen Gomringer in Cachuela Esperanza (Bolivien) geboren. Er wächst in der Schweiz auf und studiert von 1944 bis 1950 Nationalökonomie, Kunst- und Literaturgeschichte in Bern und Rom. 1952 begründet er mit Dieter Roth und Marcel Wyss die internationale Kunstzeitschrift Spirale. Gomringer arbeitet als Sekretär von Max Bill an der Ulmer Hochschule für Gestaltung, durch dessen Bekanntschaft er Anregungen für seine Konkrete Poesie erhält, und beschäftigt sich danach mit Werbung und Design. Während dieser Zeit (1960-65) gibt er die Schriftenreihe konkrete poesie – poesie concreta heraus. Er wird Geschäftsführer des Schweizerischen Werkbundes (1961-67), Kulturbeauftragter der Selber Rosenthal AG (1967-85) und geht in die akademische Lehre. Von 1977 bis 1990 lehrte er als Professor für Theorie der Ästhetik an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.

1990 wird Eugen Gomringer emeritiert und ist acht Jahre als Honorarprofessor an der Hochschule Zwickau tätig. Gastprofessuren für Poetik führen ihn an die Universitäten Bamberg (1986), Arkansas (1990) und mehrere Male nach Los Angeles, São Paulo und Bolivien.

Eugen Gomringer gilt als „Vater der konkreten Poesie“ (Emmet Williams), der er in Analogie zur Konkreten Kunst ihren Namen gibt. Bereits 1953 publiziert er seinen ersten Lyrikband konstellationen constellations constelaciones, In seinen Gedichten arbeitet er mit einer minimalen Anzahl von Wörtern, die, in signifikanter Weise grafisch angeordnet, den Leser dazu bringen, Semantik und Anordnung spielerisch miteinander zu verbinden.

Im Jahr 2000 gründet Eugen Gomringer das institut für konstruktive kunst und konkrete poesie (ikkp) in Rehau.

Für seine Verdienste wird er mehrfach ausgezeichnet: 1997 mit dem Kulturpreis der Stadt Rehau, 2007 mit dem erst- und einmalig verliehenen Premio Punta Tragara per la Poesia Concreta, 2008 mit dem Bayerischen Verdienstorden, 2009 mit dem Rilke-Preis in der Kategorie deutschsprachige Dichtung. Im Jahr 2010 wurde ihm die Bürgermedaille der Stadt Rehau verliehen. 2011 erhält Eugen Gomringer den Alice Salomon Poetik Preis der Hochschule Berlin. Im Jahr 2018 erhält Eugen Gomringer den Kunstpreis des Landkreises Hof und im Jahr 2020 wird der Platz vor dem Kunsthaus Rehau nach ihm benannt, womit ab sofort die Anschrift für seine Wirkungsstätte auf Eugen-Gomringer-Platz 1 lautet.


©Fotos: Uwe von Dorn 

[PLEASE FIX!] Please choose your cookie preferences: