Modellstadt

Stadt Rehau - Bayerns einzige Modellstadt


Die Stadt Rehau ist in der Vergangenheit von drei großen Stadtbränden heimgesucht worden, wobei sie jedes Mal in Schutt und Asche gelegt wurde. Die Brände geschahen in den Jahren 1512, 1763 und 1817.

Im Jahr 1810 kam das Fürstentum Bayreuth und damit auch die Stadt Rehau zum Königreich Bayern, Rehau steht demnach seit 1810 unter bayerischer Verwaltung.

Zum Stadtbrand von 1817 ist zu berichten, dass am 6. September morgens gegen 08.30 Uhr in einem großen Haus im Osten der Stadt ein Feuer ausbrach. Wegen starken Ostwindes verbreitete sich das Feuer in kurzer Zeit durch die Stadt, nach nicht ganz 3 Stunden war die gesamte Stadt in Schutt und Asche gelegt.

Es sind 168 Wohnhäuser mit Nebengebäuden und 300 Scheunen mitsamt der soeben eingefahrenen Ernte, das Pfarrhaus, Brauhaus, Hirtenhaus, Rathaus, Landgericht, die Hammermühle und die Kirche nebst allem, was dazu gehörte, total niedergebrannt.

Nachdem sich die Bewohner in den Ruinen und Kellern notdürftig für den Winter eingerichtet hatten, wurde im Jahr 1818 mit dem Wiederaufbau begonnen. Nach den damals neuesten städtebaulichen Erkenntnissen und Grundsätzen fertigte Baukondukteur Baumann im Auftrag der bayerischen Kreisregierung einen Plan, der das Bild der Stadt völlig verändern sollte.

Die bedeutendste Neuerung war die Anlage einer breiten, schnurgeraden Marktstraße als Achse eines rechtwinkeligen Straßensystems und die Verlegung des Marktplatzes an seinen heutigen Ort. Es ist also dem Stadtbrand von 1817, dem Königreich Bayern und Baukondukteur Baumann zu verdanken, dass Rehau heute eine großzügig angelegte Innenstadt, breite, rechtwinklig sich kreuzende Straßen, einen weiten rechteckigen Marktplatz und einheitliche Reihen traufenständiger Häuser hat und damit damals zur Modellstadt Bayerns wurde.


Der neue Grundriss sollte Vorbild für alle weiteren bayerischen Städte sein, die durch ähnliche Katastrophen zerstört werden würden. Rehau ist jedoch bis heute bayernweit die einzige Stadt geblieben, die nach diesem Entwurf gebaut wurde.

Wer einen Blick auf die Stadtanlage des alten Rehaus vor 1817 werfen will, der hat im Stadtbrandzimmer des Museums am Maxplatz dazu Gelegenheit. Hier führen zwei im Maßstab 1:600 erarbeitete Stadtmodelle die gravierenden Unterschiede der historisch gewachsenen Stadt und der völlig anders gearteten klassizistischen Stadtanlage nach dem Brand von 1817 anschaulich vor Augen.

Der Baukondukteur Johann Wilhelm Baumann aus Hof war 1817 von der Regierung mit der Planung und Durchführung einer neuen Stadtanlage beauftragt worden. Das Ergebnis dieses enormen Bauunternehmens prägt noch heute das Bild Rehaus. Es entstand eine Stadt mit breiten, schnurgeraden Straßen, die rechtwinkelig von Querstraßen geschnitten werden und in der Mitte einen weiten freien Platz einschließen.

Alle Dachtraufen waren parallel zur Straße ausgerichtet geplant. Insgesamt entspricht dies dem damals vorherrschenden Geschmack des Klassizismus und dem Bedürfnis, künftigen Feuergefahren entgegenzuwirken. Hierzu wurden nicht nur die Straßen verbreitert, sondern sämtliche Neubauten vollständig aus Stein aufgebaut und mit Brandmauern geschützt. Die Scheunen wurden außerhalb der Stadt errichtet.

Durch den Neubau war es notwendig die Bauplätze der meisten Häuser zu verändern und Grundeigentum auszutauschen. Das Eigentum der einzelnen Bürger wurde hinsichtlich der früheren Baustellen und Hofrechte fast gänzlich zusammengeworfen, neu verteilt und ausgeglichen.

Es konnten nach Musterplänen insgesamt 4 Typen von Wohnhäusern errichtet werden, diese mussten von der Königlichen Regierung genehmigt werden und wurden anschließend dem zukünftigen Bauherrn zwecks Auswahl der Hausgröße und Erhalt des notwendigen Bauplatzes vorgelegt.

Trotz einer gewissen Individualität jedes Wohnhaustyps besaßen alle folgende Gemeinsamkeiten: einen Sockel, 10 Fuß Höhe im Erdgeschoß und 9 Fuß im Obergeschoß. Die Fenster waren alle von einheitlicher Größe, lediglich die des Obergeschosses waren einen halben Fuß höher.

Entlang den Hauptstraßen waren ausschließlich zweistöckige, steinerne, mit Schiefer oder Ziegel gedeckte, in den Nebenstraßen eingeschossige, massive Häuser vorgesehen. Bis 1824 war der Wiederaufbau der Stadt weitestgehend abgeschlossen.

Öffnungszeiten

So
14:00 Uhr
17:00 Uhr

oder nach Vereinbarung (09283 / 20 27)

Eintrittspreise

Erwachsene2 €
Ermäßigungsberechtigte
(Schüler, Studenten, Erwerbslose, Schwerbehinderte, Wehr- und Zivildienstleistende, Gruppen ab 10 Personen)
1 €
Familie4 €
Kinder unter 6 Jahre frei

Führung 20 Euro zzgl. Eintritt

Mit Bayern-Ticket erhalten Sie 1 Euro Ermäßigung auf den regulären Eintrittspreis.