„Wurlitzer oder die Erfindung der Gegenwart“

Ein Film von Antje Starost & Hans Helmut Grotjahn

Wurlitz, ein Ort mit einem klingenden Namen. Viele kennen sie noch: die Wurlitzer Music Box aus den 60iger Jahren. Nur Eingeweihten bekannt: die Wurlitzer Kino-Orgel, die den Stummfilm begleitete. Doch kaum einer weiß, dass auch der Erfinder des Lichttonfilms ein Wurlitzer ist: Hans Vogt. 

Ausgangspunkt für alle drei Erfindungen ist dieser kleine Ort in Oberfranken. Hier wurde 1890 Hans Vogt als Sohn des Dorfschmieds geboren. Auf dem Jahrmarkt hat er sein Schlüsselerlebnis und die fixe Idee „den Ton zum Film dazu zu erfinden“. Weggehen oder Bleiben, das wurde zur großen Frage für Hans Vogt. Den Erfinder, Bastler, Eigenbrötler, Fleischverächter, Abstinenzler zog es in die Ferne. Nach Berlin…

Das Besondere an dem Film ist, dass er die Geschichte der Lichtton-Erfindung aus der Perspektive von Gustav, dem jüngeren Bruder von Hans erzählt. Er, der in Wurlitz geblieben und an Stelle seines Bruders Dorfschmied wurde, hat so seinen Anteil an der bahnbrechenden Erfindung wiedergefunden.

Filmhistorisch interessant ist „Wurlitzer“ auch wegen der Ausschnitte. Der erste deutsche Lichttonfilm "Das Leben auf dem Dorfe" ist in Teilen zu sehen. Nachgebaute Wurlitzer Erinnerung von Hans Vogt, realisiert im Schubertsaal des Zahnärztehauses am Nollendorfplatz in Berlin. Nachdem der Saal mit abgehängten Kartoffelsäcken tonfilmtauglich gemacht ist, treten die Hauptdarsteller auf: Schafe, Hunde, Hühner. Auch ein echter Misthaufen fehlt nicht.

Während Music Box und Kino-Orgel Kulturgeschichte geworden sind, ist der Lichttonfilm so aktuell wie zu seiner Erfindung vor über 90 Jahren.  In „Wurlitzer oder die Erfindung der Gegenwart“ verbindet sich die Geschichte des Tonfilmerfinders, der in die Fremde geht, mit den Wurlitzern, die am Ort geblieben sind.

„Ein Stück vergessene Geschichte des Kinos...”

Nach einer preview auf den Hofer Filmtagen fand die Uraufführung von „Wurlitzer…“ bei den 36. Internationalen Filmfestspielen Berlin statt. Es folgten viele internationale Festivals u.a. in Rotterdam, Edinburgh, Chicago, Figuera da Foz, Florenz. Für die Kritik fesselt der Film „durch die Intensität seiner filmischen Sprache“ und erzählt die Lebensgeschichte von Hans Vogt „ auf eine eigenwillige Art zwischen den Genres Dokumentarfilm, Spielfilm und Essay. (Ulrich Gregor, Internationale Filmfestspiele Berlin 1986)

Die Digitalisierung des 35mm Films war für die Stadt Rehau Anlass, den Hans Vogt Filmpreis ins Leben zu rufen. Erste Preisträger waren Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn.
© Text: Antje Starost Film Produktion 2015

Die DVD ist im Buchhandel und im Internet erhältlich. Infos unter:
www.starostfilm.de